Frühagile Bildung: Frühkindliche Bildung ein agiler Ansatz?

Bei der frühkindlichen Bildung geht es um die Bildung von Kindern von der Geburt bis hin zum Vorschulalter. Die ersten Jahre gelten dabei als ein Zeitfenster mit besonderen Lern- und Entwicklungschancen. Das Wissen und die Fähigkeiten werden Stück für Stück erarbeitet und erlernt und der eigene Wissenshorizont erweitert. Dabei wird ein großer Wert auf die Eigeninitiative und Selbstorganisation gelegt. Kinder werden so zu Ko-Konstrukteure von Wissen und Kultur.

Die Parallelen zu Agilität sind nicht zu übersehen. ;-)

Frühagile Bildung

Es gibt verschiedene Ansätze agile Methoden in einem Unternehmen einzuführen. Beliebt ist dabei der „Jetzt-geht’s-los“-Ansatz, in dem von heute auf morgen die gesamte Organisation auf agiles Arbeiten umgestellt wird.

Die frühagile Bildung hingegen betrachtet die Einführung agiler Methoden ähnlich wie die frühkindliche Bildung. Bei einem Neugeborenen ergibt es wenig Sinn, direkt mit dem ABC anzufangen oder mit ihm einen Marathon laufen zu wollen.

Entwicklungsphasen

Agilität durchläuft mehrere Entwicklungsphasen. Im Konzept der frühagilen Bildung sind dies:

Hunger stillen

Die ersten Inhouse-Schulungen beginnen und die Idee des Agilen Arbeitens und deren Auswirkungen werden erkannt und im Unternehmen verbreitet. Diese Phase der frühagilen Bildung ist geprägt durch:

  • Agilität wird noch gestillt -> sie ist noch nicht ganz entfaltet und wird sehr dosiert eingesetzt. Doch wenn jemand Hunger auf mehr (Informationen) hat, wird dieser Hunger bereits gestillt. Informationen werden bereitgestellt, Schulungsmaßnahmen begonnen und Unterstützer im Unternehmen gesucht.
  • Produziert volle Windeln -> oder anders ausgedrückt: nicht alles, was in dieser Phase herauskommt/ausprobiert wird, erlangt einen finalen Status und wird aufgehoben. Viele Dinge werden erprobt und es wird untersucht, ob es zur Organisation passt oder Anpassungen notwendig sind.
  • Eine Phase der Ungewissheit -> der Weg muss noch gefunden werden, vielleicht auch das Vorgehensmodell und die Prozesse. In der Organisation ist noch viel Ungewissheit zu den Zielen und dem eigentlichen Grund der Umstellung zu merken.
  • Lächeln geht bereits! Agilität einzuführen und agil zu arbeiten kann und sollte Spaß machen.

Krabbeln lernen

Die erste Ladung Wissen wurde verbreitet und Pilotprojekte gestartet. Wissen wird nun aktiv gesammelt und weiter erprobt. Die frühagile Bildung ist aber dennoch noch nicht an ihrem Ende angekommen. Bestandteile dieser Phase:

  • Langsam wird die (agile) Welt erkundet -> verschiedene Vorgehensmodelle wurden ausprobiert, Pilotprojekte fangen sogar schon an zu laufen und es findet ein aktiver Austausch der Erkenntnisse statt.
  • Bereit für neue Eroberungen -> Pilotprojekte werden nach und nach ausgebaut und weiterführende Schulungen durchgeführt.
  • Vieles noch Unerreichbar, aber dennoch bereits sichtbar -> beim Krabbeln ist der Kopf schon etwas höher und generell in einer anderen Position. Neue Dinge können jetzt gesehen werden und dies lässt den Wunsch reifen, diese auch noch auszuprobieren.

Laufen lernen

Die größten Hürden wurden genommen und die Pilotprojekte haben Laufen gelernt. Nun ist es an der Zeit, die breite Masse von den Vorteilen profitieren zu lassen. Diese Phase stellt den letzten Schritt der frühagilen Bildung dar und beinhaltet:

  • Sichtbares wird mehr und mehr erreichbar -> es wird nicht nur über Agilität gesprochen und in Pilotprojekten ausprobiert. Sondern es hat tatsächlich eine Adoption in der breiten Masse stattgefunden.
  • Weitere Wege können gegangen werden -> beim Krabbeln kommt man weit. Mit dem Laufen allerdings viel weiter. Und so verhält es sich auch hier. Neue Wege können jetzt beschritten und es kann noch mehr Gepäck mit auf die Reise genommen werden.
  • Horizont erweitert -> das eine passende Vorgehensmodell gibt es vielleicht nicht. Die Organisation wird sich in dieser Phase vielleicht so aufgestellt haben, dass für jedes einzelne Projekt individuell darüber entschieden werden kann, was im vorliegenden Fall der idealste Ansatz ist. Die Organisation selbst ist jetzt der Master der Agilität.
  • Einschätzung und Planung von Entfernungen möglich -> was bisher undenkbar war, wird nun schrittweise zur Realität; die zuverlässige Projektplanung und -roadmap nimmt Gestalt an.
  • Sprints sind in greifbare Nähe -> vor dem gleichmäßigen schnellen Laufen sollte man zunächst sicher laufen lernen. Doch dann stehen auch die übrigen Elemente wie Story Points, Sprints, etc. auf der Umsetzungsliste.

Fazit

Der hier aufgezeigte Ansatz der frühagilen Bildung ist eine andere Sichtweise auf die Einführungsphasen von Agilität in einer Organisation.

Beim Aufwachsen von Kleinkindern kann man sehr gut beobachten, wie diese sich schrittweise immer wieder neue Dinge beibringen und Gelerntes optimieren. Sie gehen häufig in Retrospektiven mit sich selbst und holen sich Rat bei den Scrum Mastern Eltern. Oder widersprechen ihnen vehement, da sie eigene Ideen und Vorstellungen haben.

Meiner Meinung nach eignet sich eine schrittweise Einführung von agilen Methoden auch in Organisationen. Diese sollten durch Trainings und Coaching begleitet werden und viele Elemente zum Feedback-Holen und -Geben beinhalten. Auch die Einführung von Agilität sollte agil verlaufen mit häufigen Teil-Lieferungen anstelle eines großen Big-Bang „und nun arbeitet mal agil!“.

Seminare 2020 an der VHS Wiesbaden terminiert

Der Bildungsurlaub Agiles Projektmanagement und Scrum (5 Tage jeweils Montag bis Freitag 9 bis 16 Uhr) wird vom 30.03. bis 03.04.2020 und vom 19. bis 23.10.2020 stattfinden.

Der Bildungsurlaub eignet sich für Scrum Master, Product Owner, Scrum Developer oder Mitarbeiter von Fachbereichen, die mit Agilen Teams zusammenarbeiten. Das Seminar konzentriert sich zunächst auf Scrum in dessen Reinform (SCRUM 3x3x5). Anschließend erfolgt eine Ausweitung der Planungsebenen und das Aufsetzen sowie das Starten von agilen Projekten wird thematisiert.

Das Seminar findet in einem agilen Workshop-Rhamen statt. Anstelle von PowerPoint, werden die theoretischen Inhalte kurz erklärt und anschließend mit Hilfe von Übungen gefestigt.

Zusätzlich zum Bildungsurlaub Scrum gibt es noch die weiteren Seminare Scrum in 9 Schritten und Scrum 101.

Scrum in 9 Schritten

SCRUM in 9 Schritten führt Sie durch die agile Welt anhand der Meetings, Rollen und Regeln in SCRUM. Sie erhalten eine Übersicht der Aufgaben von Scrum-Team, Scrum Master und Product Owner und werden am Ende der Lehrveranstaltung ein Verständnis über die Möglichkeiten von SCRUM haben.
Der Kurs richtet sich an alle, die mehr über dieses Vorgehensmodell erfahren möchten, SCRUM in ihren Unternehmen einsetzen oder einsetzen wollen und an diejenigen, die mit Hilfe von agilen Methoden ihre bisherigen Prozesse weiter optimieren möchten.

SCRUM 101

In diesem Kurs lernen Sie die Basics von SCRUM im Rahmen eines agilen Projekts anhand einer Simulation:
– Projekt Kick-off
– Sprint Planning 1
– Estimation Meeting
– Daily Stand-up
– Sprint Review
– Sprint Retrospective
– die Rollen SCRUM Master, Product Owner und SCRUM Development Team
Die Kursinhalte werden dabei hautnah erlebt, indem ein SCRUM-Projekt im Rahmen des Seminars gemeinsam umgesetzt wird.

Termine Bildungsurlaub

Bildungsurlaub Agiles Projektmanagement und Scrum:

Agile Innovations in Wiesbaden – Lasst die Sprints beginnen

Das initiale Backlog wurde gefüllt und Epics identifiziert. Die Teams begannen nun mit dem Herunterbrechen der Epics in greifbare User Stories und planten die ersten Sprints. Das Ziel: Erbauung eines Prototypen des Agilen Zoos. Lasst die Sprints beginnen!

Der erste Sprint

Im ersten Sprint lief noch nicht alles rund. Es gab es noch Abstimmungsschwierigkeiten innerhalb der Teams, aber auch teamübergreifend. Jedes Team hat auf seine User Stories geschaut und am Ende auch Done Increments abgeliefert. Leider wurde eine Integration der Ergebnisse vergessen, was erst im Sprint Review in zweiten Team aufgefallen ist. Auch war es unglücklich, dass jedes Team ein eigenes Review hatte und keine Absprachen zu einem gemeinsamen Sprint Review stattfanden.

Jedes Team führte am Ende des ersten Sprints eine Sprint Retrospective durch. Doch bereits während der Retrospektive wurde erkannt, das mehr Kommunikation auch über Teamgrenzen hinweg notwendig ist. Kurzerhand wurden aus drei Einzel-Retrospektiven eine große Projekt-Retrospektive. In dieser wurden organisatorische Themen diskutiert, die die Zusammenarbeit der Teams im zweiten Sprint entscheidend beeinflussen und optimieren sollten.

Der zweite Sprint

Im zweiten Sprint hat eine gemeinsame Planung aller drei Teams stattgefunden. Dieser Schritt wurde von den Teams selbstorganisiert initiiert. Die Teams haben dabei zunächst eine Planung für alle Teams gemacht und sind dann in Team-Planungen übergangen.

Während des Sprints haben sich die drei Product Owner eng miteinander abgestimmt und ein gemeinsames Sprint Review geplant. Die Integration der Ergebnisse der Teams wurde frühzeitig geplant, bzw. teilweise haben die Arbeiten auch direkt zusammen stattgefunden.

Ohne Impuls vom Moderator haben die Teilnehmer Elements von LeSS angewandt, um ihre Arbeitsweise mit drei Teams zu optimieren und synchronisieren. Wie LeSS funktioniert wurde erst im Anschluss besprochen. Aber eigentlich wussten das alle Teilnehmer zu dem Zeitpunkt bereits mit Hilfe der gemachten Selbsterfahrung.

Der Prototyp ist entstanden

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Agile Innovations in Wiesbaden – der Team-Vertrag

Das Planungskomitee hat sich auf den Workflow geeinigt und im Project Inception die Rahmenbedingungen des Projekts abgesteckt. Nun war es an der Zeit, über die Rahmenbedingungen der Teams zu sprechen und ein initiales Backlog zu erstellen.

Team-Vertrag für die Team-Rahmenbedingungen

Der Team-Vertrag beinhaltet den Teamnamen, ein Logo, ein Team-Slogan, sowie die Rolle und Verantwortlichkeiten im Team.

Außerdem werden die Rahmenbedingungen geklärt, wie zum Beispiel die Team-Regeln, Erwartungen, die Definition of Done.

Vision 2 Backlog

Schnell wurde den Teilnehmern klar, es muss gemeinsam definiert werden, wann ein Ticket reif für die Umsetzung ist und wann es als fertig bezeichnet werden kann. Mit Hilfe der Vision 2 Backlog wurde dies visualisiert:

DoR und DoD definiert

Die drei Scrum-Teams haben jeweils eine eigene Definition of Ready und Defintion of Done erarbeitet. Diese wurden im späteren Verlauf sowohl bei der Erstellung der User Stories, als auch bei der Abarbeitung in den Sprints befolgt.

Füllen des initialen Backlogs

Nun war es soweit! Das initiale Backlog wurde gefüllt. Dazu haben alle drei Teams gemeinsam Epics ermittelt und diese teamweise für das Herunterbrechen der User Stories aufgeteilt.

Einige Epics wurden als weniger wichtig eingestuft und deren Bearbeitung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Fortsetzung auf Seite 4: Lasst die Sprints beginnen

Nachdem die Teams aufgestellt und mit Rahmenbedingungen bestückt, das initiale Backlog erstellt und Epics bekannt und der Zeitrahmen der Sprints geklärt war, konnte es in die Umsetzung gehen.

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Agile Innovations in Wiesbaden – Projektplanung

Nachdem eine gemeinsame Sprache gefunden und das Vorgehensmodell geklärt worden sind, ging es in die konkrete Projektplanung. Dazu wurde ein Project Inception aufgestellt, welches u.a. eine Stakeholder-Analyse, eine Risiko-Analyse und die Projektziele beinhaltet. Dem Elevator Pitch sollte dabei eine wichtige Rolle zugestanden werden.

Elevator Pitch

Für Seminarteilnehmer die intensiv agile Methode erlernen möchten, ist Agile Innovations ein innovatives Bauprojekt welches ein neues Zentrum agiler Kompetenz ermöglicht. Anders als herkömmliche Universitäten bieten wir aktive Mitarbeit, einen agilen Zoo und die besten Rahmenbedingungen!

Agiles Projektmanagement Workflow

Das Planungskomitee hat sich auf einen Workflow für das agile Projektmanagement geeinigt, der im Wesentlichen Scrum als Vorgehensmodell vorsieht.

Der Workflow sieht die folgenden Schritte vor:

  • Formulierung der Vision im Rahmen eines Project Inceptions
  • Einholen der Projekt-Beauftragung für die Prototyp-Phase
  • Füllen eines initialen Backlogs
  • Umsetzung der Anforderungen im Rahmen von mehreren Sprints
  • Zeitgleiche Roadmap-Planung zur Fertigstellung eines Prototypen

Rahmenbedingungen klären

Die Rahmenbedingungen des agilen Arbeitens mussten nun definiert werden. Dazu haben die drei Teams eigene Team-Verträge aufgestellt und sich über die Definition of Ready und Definition of Done Gedanken gemacht.

Fortsetzung auf Seite 3: der Team-Vertrag

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